Was taugt ein Stoff?

Qualitätskriterien für Möbelstoffe


Neben dem Aussehen sind es besonders die Gebrauchsqualitäten, auf die es bei einem Sofabezugsstoff ankommt. Zum Glück gibt es eine Reihe von messbaren Kriterien, die viel darüber aussagen, was ein Stoff taugt. Wer sich daran orientiert, trifft bei seiner Kaufentscheidung leichter die richtige Wahl.

Auf diese Kriterien sollten Sie achten:

In Deutschland gibt es eine Reihe von Normen, die objektive Prüfverfahren und Mindestanforderungen für Polstermöbelstoffe definieren. Für den Endverbraucher sind dabei vor allem folgende Kriterien besonders interessant.

Scheuerbeständigkeit

Als Scheuerbeständigkeit wird die Widerstandsfähigkeit eines Stoffes gegen Abrieb bezeichnet. Für die Haltbarkeit eines Stoffes spielt dieser Wert eine besonders wichtige Rolle. Festgestellt wird er mit dem Martindale-Testverfahren. Dabei wird der zu testenden Stoffes mit einer bestimmten Gewichtsbelastung gegen einen wollenen Standardstoff gerieben, der regelmäßig gewechselt wird. Der Test wird so lange durchgeführt, bis bei einem Flachgewebe 2 Fäden so verschlissen sind, dass sie reißen bzw. bei einem Florstoff sichtbarer Faserausfall auftritt. Die Umdrehungen (Scheuertouren) bis zur Beschädigung des Stoffes werden gezählt. Je höher die Anzahl der Touren, um so scheuerbeständiger ist der Stoff.

Eine allgemeingültige Klassifizierung gibt es bei den Scheuertouren nicht. Allerdings werden oft folgende Richtwerte verwendet.

10.000 Scheuertouren = private Nutzung, wenig Gebrauch 

15.000 Scheuertouren = private Nutzung, regelmäßiger Gebrauch

20.000 Scheuertouren = öffentliche Nutzung, regelmäßiger Gebrauch

30.000 Scheuertouren = öffentliche Nutzung, intensiver Gebrauch

40.000 Scheuertouren = öffentliche Nutzung, sehr intensiver Gebrauch

Die Deutsche Gütegemeinschaft Möbel (DGM) fordert als Mindest-Standard für die Erteilung ihres Qualitätssiegels 10.000 Scheuertouren.

Hinweis: Wie scheuerbeständig ein Stoff sein muss, hängt auch von der Art der Polsterung ab. Bei festen Polsterungen wird der Stoff straff über das Sofa gespannt und ist dadurch einer höheren Scheuerbelastung ausgesetzt als bei legeren, weichen Polsterungen, bei denen der Stoff locker auf der Polsterung aufliegt und der Beanspruchung etwas „ausweichen“ kann.

Pill-Bildung:

Als Pilling oder Pill-Bildung bezeichnet man das Entsehen kleiner Faserknötchen an der Oberseite des Stoffes. Grund dafür ist, dass sich durch den normalen Gebrauch der Polstermöbel winzige Faserteile von der Oberfläche ablösen und miteinander verknäulen. Vor allem Flachgewebe neigen zu Pillbildung. In der Martindale-Prüfmaschine (siehe „Scheuerbeständigkeit“) wird auch die Pillneigung eines Stoffes getestet (DIN EN ISO 12945-2) Dafür werden zwei Stoffproben benötigt. Die eine wird nach 2000 Reibzyklen, die andere nach 6000 Reibzyklen aus der Maschine genommen. Dies deshalb, weil manche Stoffe im Neuzustand zu Pillbildung neigen, andere erst nach längerer Benutzung. Beide Proben werden bewertet und das schlechtere Ergebnis als Gesamtnote eingetragen. 

1 = Pillbildung sehr stark, 2 = stark, 3 = durchschnittlich, 4 = leicht, 5 = keine 

Hinweis: Leichte Pillblidung ist kein Grund zur Besorgnis. Mit einem handelsüblichen Flusenrasierer können die Pills problemlos entfernt werden. 

Lichtechtheit: 

Grundsätzlich bleicht jeder Stoff unter der Einwirkung von Licht, insbesondere von Sonnenlicht aus. Grundsätzlich sind hellere, brillante Farben hier anfälliger als dunkle, gedeckte. Kunstfasern sind meist lichtechter als Naturfasern. In einem speziellen Testverfahren (DIN 53952) wird vom Probestoffe ein Teil abgedeckt, ein anderer Teil über längere Zeit mit künstlichem UV-Licht bestrahlt. Das Ergebnis wird auf einer Scala von 1 bis 8 ausgedrückt:

1= Lichtechtheit sehr gering, 2 = gering, 3 = mäßig, 4 = ziemlich gut, 5 = gut, 6 =sehr gut, 7= vorzüglich, 8 = hervorragend

Achtung: Auch Stoffe mit der Bestnote 8 sind nicht hundertprozentig lichtecht. Vermeiden Sie es deshalb nach Möglichkeit, dass Ihre Polstermöbel für längere Zeit oder regelmäßig direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind. 

Reibechtheit (=Abriebfestigkeit)

Hier wird getestet, ob sich die Farbe des Möbelstoffes beim Gebrauch auf andere Textilien überträgt. Hierfür wird der zu prüfende Stoff sowohl im trockenen als auch in nassen Zustand getestet. In der Regel erreichen helle und brillante Farben hier bessere Ergebnisse als dunkle, satte Töne.

1= Abriebfestigkeit sehr gering, 2 = mäßig, 3 = ziemlich gut, 4 = gut, 5 = sehr gut

Vorsicht mit Jeans: Das Abfärben von nicht farbechten Bekleidungsstücken wie z.B. Jeans auf den Sofabezug hat mit der Abriebfestigkeit des Bezugsstoffes nichts zu tun und geht ausschließlich auf die mangelnde Farbechtheit des Bekleidungsstücks zurück. Insbesondere bei hellen Sofabezugsstoffen sollten Sie daher Vorsicht walten lassen, besonders wenn Sie sich neue Jeans gekauft haben!

Ist nur der allerbeste Stoff empfehlenswert?

Wer an der Qualität des Bezugsstoffes spart, der spart oftmals an der falschen Stelle. Schließlich ist die Langlebigkeit des Bezugsstoffes von entscheidender Bedeutung dafür, ob Ihr neues Sofa auch in vielen Jahren noch gut aussieht. Das bedeutet aber nicht, dass Sie nur einen Bezugsstoff wählen sollten, der in allen Bereichen die Bestnoten hat. Entscheidend ist vielmehr, dass Sie den für Ihren Zweck richtigen Stoff wählen. Nutzen Sie Ihr Sofa täglich, oder haben Sie Kinder? Dann sollten Sie einen besonders strapazierfähigen Stoff wählen, am besten ein Polgewebe, einen Flockvelours oder einen Mikrofaserstoff mit hohem Kunstfaseranteil. Haben Sie besonders helle Räume, eventuell sogar mit direkter Sonneneinstrahlung? Dann ist eine möglichst hohe Lichtechtheit für Sie von besonderer Bedeutung. Verbringen Sie nur gelegentlich mal einen Abend auf dem Sofa? Dann darf es auch ein weniger scheuerbeständiger Stoff, zum Beispiel ein Flachgewebe mit hohem Naturfaseranteil sein. Außerdem hängt die Wahl der Bezugsqualität natürlich auch davon ab, ob Sie ein Polstermöbel für viele Jahre möchten oder ob Sie sich lieber öfter mal neu einrichten.